Das Katastrophenhochwasser im August 2002 hat im Flussgebiet der Mulden zu einem bisher nicht bekannten Ausmaß an Überschwemmungen und Schäden geführt. Von der Zerstörung waren gleichermaßen Siedlungsgebiete, Infrastruktureinrichtungen, Gewerbe- und Industrieanlagen, Einrichtungen der Landwirtschaft sowie die Gewässer und ihre baulichen Anlagen betroffen.

Während des Hochwassers wurden die Nachteile des derzeit bestehenden gewässernah verlaufenden Hochwasserschutzsystems an der Vereinigten Mulde sichtbar. Aufgrund der Einengung des Hochwasserabflussbereiches gegenüber der natürlichen Aue kam es mit dem Ansteigen des Hochwassers rasch zu großen Abflusstiefen und hohen Fließgeschwindigkeiten. Die Deiche wurden überströmt und brachen an zahlreichen Stellen. In der Folge kam es zu weiträumigen Überflutungen und extrem hohen Schäden.

Geobasisdaten: © 2006, GeoSN



Geobasisdaten: © 2006, GeoSN

Grundsätzliche Überlegungen zur Umgestaltung des Hochwasserschutzsystems wurden vor dem Hintergrund eines stark veränderten Schadenspotenzials in der Aue und eines veränderten Stellenwertes der Landwirtschaft bereits unmittelbar nach dem Augusthochwasser 2002 durch das damalige Staatliche Umweltfachamt Leipzig und die Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsens angestellt. Eine weitergehende Untersuchung und die Ausarbeitung von Lösungsvarianten erfolgte im Hochwasserschutzkonzept für die Mulden (2004).

Parallel zur Bearbeitung des Hochwasserschutzkonzeptes fand im Zeitraum 2002 bis 2004 eine breite öffentliche Diskussion der mit einer Umgestaltung des Hochwasserschutzsystems verbundenen wirtschaftlichen, naturschutzfachlichen und rechtlichen Probleme im Rahmen der Arbeitsgruppe „Deiche" im Landratsamt Delitzsch statt.

Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen wurden vertiefende Untersuchungen zur Errichtung gesteuerter Flutungspolder und zur Rückverlegung von Hochwasserschutzdeichen an der Vereinigten Mulde im Landkreis Delitzsch durchgeführt und ein Maßnahmeprogramm für die Gestaltung des zukünftigen Hochwasserschutzsystems entwickelt („Polderstudie", 2006).

Das Maßnahmeprogramm sieht zwischen Fluss-km 58,2 und Fluss-km 72,1 die Einrichtung des gesteuerten Polders Löbnitz im linken Vorland der Vereinigten Mulde vor. Die Planungsunterlagen für dieses Vorhaben wurden durch die Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen im Dezember 2008 zur Planfeststellung eingereicht.